Trendwende: Bauzinsen klettern rasant

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Bild: moerschy/Pixabay

Jahrelang durften sich Immobilienkäufer über rekordtiefe Hypothekenzinsen freuen. Damit ist es jetzt vorbei, die Bauzinsen klettern – parallel zu den Kapitalmarktzinsen – seit Jahresanfang kräftig. Wer eine Immobilienfinanzierung plant, sollte sich jetzt die – noch – günstigen Konditionen sichern.

Nun denkt auch die Europäische Zentralbank (EZB) um und erwartet für dieses Jahr keine merkliche Entspannung an der Inflationsfront. Folgerichtig signalisierten die europäischen Währungshüter den allmählichen Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik. Schneller reagiert die US-amerikanische Notenbank Fed: Dort rechnen Marktbeobachter bereits im Juli 2022 mit einer ersten Zinsanhebung. Das hat auch Auswirkungen für potenzielle Immobilienkäufer, denn die Zeiten rekordtiefer Bauzinsen sind vorbei.

Laut dem Finanzierungsvermittler Interhyp zahlen Verbraucher für Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung mittlerweile im Schnitt wieder 1,55 Prozent Zinsen – das höchste Niveau seit Hebst 2018. Während der Corona-Pandemie hatten die Zinsen zeitweise deutlich unter der Grenze von einem Prozent geschwankt – die günstigsten Immo-Zinsen lagen eine Zeit lang sogar bei nur 0,3 Prozent.

Quelle: Interhyp

Die aktuellen, durchschnittichen rund 1,5 Prozent sind zwar immer noch sehr günstige Konditionen fürs Baugeld, doch wer sich jetzt mit der Finanzierung eines Eigenheims befasst, sollte nicht mehr lange warten, denn die internationalen Anleihenmärkte geben die Richtung vor: Und dort steigen die Zinsen seit einiger Zeit wieder stetig an. Erstmals seit April 2019 ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wieder positiv.

Wie der Anleihenmarkt die Bauzinsen beeinflusst

Die Parallele zum Zinsanstieg bei Bundesanleihen ist kein Zufall: Die Hypothekenzinsen sind in der Baufinanzierung der Banken eng mit den Zinsen für Pfandbriefe verknüpft. Diese wiederum entwickeln sich im Gleichschritt zur Rendite der Bundesanleihe. Steigende Anleiherenditen führen deshalb in der Regel auch zu höheren Bauzinsen. Die meisten Hypothekenexperten gehen davon aus, dass die Bauzinsen im Jahresverlauf weiter Richtung zwei Prozent klettern werden.

Wer schon einen Immobilienkredit laufen hat, dessen Zinsbindung mittelfristig endet, sollte über ein sogenanntes Forward-Darlehen nachdenken. Damit lässt sich das aktuell noch günstige Zinsniveau für eine Anschlussfinanzierung sichern.