Demographie in Deutschland: Herausforderung an den deutschen Wohnungsmarkt

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"Beliva Mönchengladbach", barrierefreier und altengerechter Neubau. Apartments in einer Pflege-Wohngemeinschaft im EG u. 1.OG sowie Penthouse-Wohnungen im Staffelgeschoss. (Bild: Conversio)

Der demografische Wandel ist in Deutschland längst angekommen. Die sinkende Zahl der Menschen im jüngeren Alter und die gleichzeitig steigende Zahl älterer Menschen verschieben den demografischen Rahmen in bisher nicht gekannter Art und Weise. Jede zweite Person in Deutschland ist heute älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Die Anzahl der über 90-Jährigen wird sich bis 2060 verdreifachen.

Andererseits hat Deutschland in den letzten Jahren eine ungewöhnlich starke Zuwanderung vor allem junger Menschen erlebt. Nach einem langjährigen Rückgang steigen seit 2012 die Geburtenzahlen.

In allen vier Prognosevarianten des statistischen Bundesamtes wird die deutsche Bevölkerung bis 2060 schrumpfen. Die Version mit der größten Bürgerzahl prognostiziert ca. 83 Mio. Deutsche, während die geringste Prognose lediglich mit 74 Mio. Deutschen rechnet. Mit den steigenden Einwohnerzahlen, steigt natürlich auch der Anteil an älteren und pflegebedürftigen Menschen.

  • Derzeit leben ca. 3,4 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland
  • Darunter sind 1,7 Millionen Demenzkranke. Insgesamt gibt es 128 Formen der Demenz. Der Großteil der Betroffenen leidet unter Alzheimer.
  • Alle 100 Sekunden erkrankt in Deutschland jemand an Demenz
  • Ab 85 Jahren ist bereits jeder Vierte dement und über 90 Jahren fast jeder Zweite.
  • Bereinigt um die statistische Anzahl der Sterbefälle steigt jährlich die Anzahl der Demenzerkrankten um ca. 40.000.
  • Bis 2050 rechnet man mit voraussichtlich 4,5 Millionen Pflegebedürftigen und drei Millionen Demenzkranken
Grafik: Conversio

Die vierte Bevölkerungsprognosevariante des statistischen Bundesamtes zeigt, wie stark der Anteil der Menschen im Alter von über 65 Jahren bis 2060 ansteigen kann. Zeitgleich ist diese Variante auch die pessimistischste Version, was die Entwicklung der Gesamtbevölkerung betrifft.

Der Anteil der Senioren steigt in diesem Modell von aktuell ca. 22 % auf ca. 33 % an. Die dritte Prognosevariante hat mit ca. 83. Mio. die höchste Einwohnerzahl für 2060 prognostiziert. Auch in diesem Modell liegt der Seniorenanteil bei 28,5 %.

Dem entgegen stehen, laut einer aktuellen Erhebung der staatlichen KfW, lediglich 1,5% der insgesamt 37 Millionen Wohnungen in Deutschland gegenüber, welche barrierearm und den Bedürfnissen älterer Menschen entsprechen.

Ambulant betreute Wohngruppen haben in Deutschland eine lange Geschichte

Ambulant betreute Wohngruppen reichen zurück auf die De-Institutionalisierungsbestrebungen in den 70er- bis Anfang der 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts, die insbesondere aus der Reformpsychiatrie heraus befördert wurden und relativ bald auch ältere Menschen, zunächst psychiatrieerfahrene, erreichten. Insbesondere die aus den sozialen Bewegungen der 80er-Jahre heraus formulierte Kritik an Heimen (Röttger-Liepmann, Hopfmüller 2002) beförderte weiterhin die Suche nach alternativen Wohn- und Versorgungsformen, für die die ambulant betreuten Wohngemeinschaften bald zum Synonym wurden.

Ambulant betreute Wohngruppen sind für eine wachsende Gruppe von Menschen inzwischen Wohn- und Versorgungswirklichkeit geworden: Wohngruppen bieten Menschen mit Demenz, Behinderung oder Pflegebedarf eine alltags- und wohnortnahe Versorgung in kleinen Gemeinschaften und stehen damit für alternative Versorgungsformen in der Langzeitpflege und Teilhabe.

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