Wie Börsenexperten die Corona-Krise kommentieren

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Die Verbreitung des Corona-Virus und die zunehmenden Infektionsfälle nun auch in Europa sorgen an den internationalen Aktienmärkten für heftige Kursbewegungen. Experten warnen Anleger jedoch, jetzt unüberlegt auf den Verkaufsknopf zu drücken.

So schreibt der Vermögensverwalter Flossbach von Storch jüngst in einem Sonderkommentar „Wir beobachten die Lage sehr genau, warnen aber vor irrationalen, vorschnellen Entscheidungen. Klar ist: Niemand kann derzeit seriös sage, wie sich das Corona-Virus ausbreitet. Anleger sollten deshalb nicht den vielen, teils selbsternannten Experten trauen, die jetzt halbgare Prognosen geben.“

Die Analysten von Union Investment meinen: „An den Börsen hat die verstärkte Virus-Verbreitung erhöhten Verkaufsdruck bei systematischen Investoren ausgelöst. Diese Spirale könnte sich – in Abhängigkeit von Nachrichtenlage und Kursentwicklung – noch weiterdrehen. Kurzfristig ist daher weiter mit Turbulenzen zu rechnen“. Mittelfristig bleibt Union Investment aber bei einer konstruktiven Grundhaltung und schätzt das US-Wachstum als robust ein. Hinzu kommt die Bereitschaft der US-Notenbank Fed, falls notwendig Stimulierungsmaßnahmen durchzuführen.

Die Marktanalysten von Allianz Global Investors kommentieren die Corona-Krise so: „Unseres Erachtens wird die Verunsicherung vor allem durch die allgemeine Stimmungslage verursacht, und zwar auf allen Ebenen: bei den Verbrauchern und den Unternehmen ebenso wie an den Finanzmärkten. Die ‚realen‘ Auswirkungen könnten durchaus begrenzt bleiben. Insgesamt ist die Situation noch im Fluss. Wir gehen jedoch davon aus, dass der Abschwung zwar heftig ausfällt, aber von relativ kurzer Dauer ist. Bisher haben die Aktienmärkte ähnlich reagiert wie auf die SARS-Epidemie im Jahr 2003. In beiden Fällen erholten sich die Märkte, nachdem die Zahl der täglich neu bestätigten Fälle ihren Höchststand überschritten hatte.“

Und Amundi Asset Management betont: „Märkte neigen im Allgemeinen zu Überreaktionen zu Beginn einer Krise und stabilisieren sich dann oft, trotz anhaltend schlechter Nachrichten. Daher könnte es unserer Auffassung nach durchaus möglich sein, dass der Markt seine Talsohle bereits deutlich vor dem Höhepunkt der Epidemie erreicht. Sofern die höhere Unsicherheit die Weltwirtschaft nicht aus der Bahn wirft, könnten sich aus übertriebenen Kursrückgängen Einstiegsmöglichkeiten in Wertpapierklassen mit attraktiven Bewertungen und robusten Fundamentaldaten ergeben.“

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