Eine Börsenregel besagt: Das Geld über verschiedene Anlageklassen hinweg streuen, um so das Risiko zu senken. Doch gerade vermögende Anleger setzen gefährlich oft alles auf eine Karte – und die Banken schauen nur zu.

Experten nennen es „Klumpenrisiko“, wenn sich das investierte Kapital auf bestimmte Regionen, Branchen oder Assetklassen konzentriert. Auch innerhalb der einzelnen Anlagen, seien es Aktien, Anleihen, Fonds, Immobilien oder Rohstoffe, ist eine Streuung ratsam. Ausgerechnet gut betuchte Anleger, die oftmals erfahrener sind in der Geldanlage als Kleinsparer, folgen diesem Rat freilich nur begrenzt. Beim Kauf von Aktien bevorzugen sie eindeutig Unternehmen aus ihrem Heimatland.

Das ergab eine Umfrage unter vermögenden Privatkunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die die Abteilung für Asset Management der Johannes Kepler Universität Linz im Auftrag der Liechtensteiner LGT-Bank durchgeführt hat.

Konkret bestand das Aktienportfolio der deutschen Umfrageteilnehmer im Durchschnitt zu 59 Prozent aus inländischen Titeln; die befragten Schweizer kamen sogar auf 67 Prozent. Österreichische Anleger hielten 44 Prozent ihres Depots in heimischen Aktien. Diese Aufteilung hat sich seit der letzten Umfrage vor zwei Jahren nicht wesentlich verändert.

Die Autoren der Studie halten dieses Anlageverhalten für irrational, denn es geht um ein Gefühl der Sicherheit, das man bei heimischen Aktien zu haben glaubt. Diese werden als risikoärmer eingestuft, doch diese Wahrnehmung sei verzerrt, schreiben die Autoren. In Wahrheit haben die Anleger mit dieser enormen Übergewichtung ein höchst gefährliches Klumpenrisiko im Portfolio.

Eine weitere Erkenntnis der Studie lautet, dass persönliche Beratung im Kreis der Privatkunden weiterhin hoch eingeschätzt wird. Zwar wird laut Umfrage das Standardangebot an digitalen Leistungen von Banken, etwa in der Kontoführung, zunehmend genutzt. Aber wenn es um sogenannte Fintech-Lösungen und Robo-Adviser geht, die automatisiert Anlageziele und -objekte auswählen, sind die Kunden deutlich zurückhaltender. Bis heute vertrauten die vermögenden Kunden eher dem Rat eines Beraters als einer Maschine, so die Studie.