Verrückt: Während freiwillige Einzahler die staatliche Rentenkasse überschwemmen, sind sich Experten einig, dass das bisherige – umlagengedeckte – Rentensystem an seine Grenzen stößt. Andere Länder machen es vor, wie rentable Altersvorsorge mit Aktienanteilen funktioniert.

Die Deutsche Rentenversicherung erscheint offenbar immer mehr Menschen als eine bombensichere Altersvorsorge. Diesen Schluss legen neue Zahlen nahe: Demnach sind die freiwilligen Zuzahlungen bei der Deutschen Rentenversicherung in den vergangenen vier Jahren förmlich explodiert. Waren dem größten gesetzlichen Rentenversicherungsträger im Jahr 2015 erst 24 Millionen Euro an Extra-Beiträgen zugeflossen, gab es im Jahr 2018 bereits rund 207 Millionen Euro an Zuzahlungen aus Eigeninitiative. Damit hat sich innerhalb von vier Jahren dieses Mehraufkommen fast verneunfacht.

Freiwillige Beitragszuzahlungen in die Rentenkasse sind seit Mitte 2017 nun bereits ab dem 50. statt wie zuvor dem 55. Lebensjahr möglich – und das scheint bei den Deutschen anzukommen. Entweder gibt es mit Erreichen des gesetzlichen Rentenalters höhere monatliche Ruhegelder oder – was immer häufiger zum Tragen kommt – die Einzahler können sich bereits früher abschlagfrei in den Ruhestand verabschieden.

Doch ob dann die Rente noch ausreicht, um den gewohnten Lebensstandard halten zu können, wird immer fraglicher. Das deutsche Rentensystem verlässt sich bisher vor allem auf das Umlageverfahren. Dieses System stößt aber immer mehr an seine Grenzen. Spätestens der Renteneintritt der „Baby Boomer“ nach 2030 werde das gesetzliche Rentensystem überfordern, prophezeit das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in einer Studie.

In der DAI-Studie wird auch gezeigt, wie Altersvorsorge in anderen Ländern erfolgreich funktioniert. Ob in Großbritannien, Kanada, Australien, Schweden, Dänemark, den USA, den Niederlanden oder der Schweiz – Aktien sind dort fest etablierter und politisch geförderter Bestandteil der Altersvorsorge, so das DAI. Diese Länder setzen viel stärker als Deutschland auf eine aktienorientierte Kapitaldeckung, das so genannte Ansparverfahren.

Während in Deutschland nur 25 Prozent der Rendite über das Ansparverfahren finanziert wird, liegt es in Dänemark bei 83 Prozent, in den Niederlanden bei 70 Prozent und in Großbritannien bei 58 Prozent. In Australien macht das Ansparverfahren sogar 100 Prozent aus.