In Deutschland fehlt fundiertes Finanzwissen

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Bild: Mark Williams/Unsplash

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Corona kaum Auswirkungen auf das Sparverhalten der Deutschen hat. Das Erstaunliche: Obwohl die Befragten davon ausgehen, dass sich die Wirtschaftslage in Deutschland eintrübt, glauben die meisten, dass sich für ihre Finanzen nichts ändert. Ein Irrglaube.

Die Covid-19-Pandemie kann die deutschen Sparer nicht erschüttern. In einer Umfrage des Fondsanbieters Union Investment gehen 69 Prozent der Teilnehmer davon aus, dass sich trotz der Krise an ihren eigenen finanziellen Verhältnissen nichts ändert. Konsequenterweise blieben die Befragten daher ihrer bisherigen Geldanlage treu. Fast zwei Drittel haben nicht vor, Geld umzuschichten.

Im Vergleich zu den Ergebnissen der Union-Umfrage im zweiten Quartal 2020 zeigt sich aber Erstaunliches: Trotz anhaltender Miniverzinsung steigen Anlageformen wie Fest- oder Termingelder sowie festverzinsliche Wertpapiere in der Gunst der Befragten. Diese wieder steigende Beliebtheit von sicheren, aber völlig unrentablen Anlageformen ist eigentlich irrational, weil sie nicht zu den wirtschaftlichen Einschätzungen der Befragten passt.

Fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer rechnen mit einer Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage. Folgerichtig bleiben auch die Marktzinsen nahe dem Nullpunkt, und daher wird sich auch an der Rentabilität von Zinsanlagen nichts ändern. Doch das scheint die deutschen Sparweltmeister nicht zu kümmern – oder sie wissen es nicht besser. Aber wie sollten sie auch?

Im Laufe des Lebens lernt jeder, wie man ein Bankkonto eröffnet, eine Steuererklärung ausfüllt – und vor allem, wie man einen Facebook-Account anlegt. Aber den genauen Unterschied zwischen Zinsen und Rendite können die wenigsten erklären. Noch düsterer wird es, wenn es um Wirkungszusammenhänge in der Wirtschaft oder am Kapitalmarkt geht.

Hier wäre eigentlich mehr „Financial Education“ dringend nötig. Und wer, wenn nicht Sie als Berater, könnte das Finanzwissen der Deutschen erhöhen.