Trotz Reform der Pflegeversicherung – private Vorsorge weiter nötig

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Bild: truthseekser08/Pixabay

Die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Pflegeversicherung zu reformieren und den Eigenanteil zu deckeln, klingt zuerst einmal gut. Doch bei genauem Nachrechnen stellt sich schnell heraus, dass private Vorsorge für den Pflegefall weiterhin nötig ist.

Zentraler Punkt der von Spahn vorgestellten Änderungen in der Pflegeversicherung ist die Deckelung des Eigenanteils für die stationäre Unterbringung. Dieser soll künftig maximal 700 Euro monatlich betragen und das für maximal 36 Monate. Alles, was darüber hinaus an höheren Pflegekosten kommt, soll aus Steuermitteln finanziert werden.

Das wirkt erstmal wie ein Deckel, der die Kosten planbarer und geringer macht als bisher. Das stimmt, klingt aber großartiger, als es ist. Denn die Deckelung bezieht sich nur auf den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) für pflegebedingte Kosten der Pflegerade 2 bis 5. Dieser beträgt im Bundesdurchschnitt 786 Euro. Pflegebedürftige würden also gerade einmal um 86 Euro im Monat entlastet.

Doch Viele werden von der Deckelung womöglich gar nichts haben. Denn in manchen, besonders den östlichen Bundesländern liegen die Pflegeeigenanteile unter den 700 Euro, da bringt die Deckelung nichts, wenn sie nicht regional ausgestaltet wird.

Außerdem beträgt der gesamte Eigenanteil, den pflegebedürftige Menschen bei einer Vollzeitunterbringung im Heim aufbringen müssen, laut dem Verband der Ersatzkassen bundesdurchschnittlich 2.015 Euro monatlich. Neben den Kosten für die reine Pflegeleistung sind darin noch Unterkunft und Verpflegung sowie die regelmäßig anfallenden Investitionskosten der Einrichtung enthalten.

Bei diesen 2.015 Euro sind die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung beziehungsweise für privat Versicherte aus der privaten Pflegepflichtversicherung schon abgezogen. Im Durchschnitt müssten Pflegebedürftige auch mit dem Spahn’schen Deckel immer noch 1.929 Euro monatlich stemmen.

Dafür reicht die eigene Rente aber bei weitem nicht. So liegt laut Deutscher Rentenversicherung die durchschnittliche Bruttorente bundesweit bei 1.413 Euro und damit deutlich unter den durchschnittlich anfallendem Eigenanteilen für einen Heimplatz. Ein Drittel der Bewohner und Bewohnerinnen in Pflegeheimen sei bereits heute auf Sozialhilfe angewiesen, so der Paritätische Wohlfahrtsverband. Da die Pflegelücke nach der Umsetzung der aktuellen Reformpläne kaum kleiner wird, ist der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung weiterhin dringend nötig.