Höchtsrechnungszinssenkung – kommt sie oder kommt sie nicht?

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Bild: geralt/Pixabay

Vor dem Beginn der Corona-Krise war von allen Marktkennern erwartet worden, dass der Höchstrechnungszins zum 1. Januar 2021 gesenkt wird. Auf ihrer Website empfiehlt die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) eine Absenkung des Rechnungszinses von aktuell 0,9 auf dann 0,5 Prozent, da es derzeit keine Anzeichen gibt, dass sich das schwache Zinsniveau der vergangenen Monate in näherer Zukunft spürbar verbessern wird. Daher sei eine Absenkung des Höchstrechnungszinses für Neuverträge ab 2021 notwendig. Der aktuelle historische Tiefstand würde dadurch nochmals unterschritten werden. Zur Erinnerung: Zu den Hochzeiten (zw. 1994 und 2000) betrug der Rechnungszins 4,0 Prozent.

Warum ist der Rechnungszins so bedeutend?

Der Rechnungszins dient als elementare Kalkulationsgrundlage für Lebensversicherungsprodukte und dies nicht nur für klassische Policen, sondern auch für Fondspolicen mit Garantien. Die vertraglich zugesicherten Garantien werden teilweise über den Deckungsstock des Versicherers dargestellt, der je Tarifgeneration auf Basis des aktuellen Höchtsrechnungszinses verzinst wird.

Widersprüchliche Meldungen

Bewegt man sich mit der Suchanfrage „Rechnungszinssenkung“ durchs Internet, erhält man widersprüchliche Aussagen, ob die Rechnungszinssenkung nun kommt oder nicht. Daher haben wir für Sie recherchiert und sind dabei auf eine kleine Anfrage (Drucksache 19/17953) der FDP-Fraktion gestoßen: Die FDP hat die Bundesregierung zum aktuellen Stand der Rechnungszinssenkung befragt und erhielt die Antwort, dass bisher keine Entscheidung getroffen wurde. Somit ist die Rechnungszinnsenkung weder beschlossen noch vom Tisch.

Dieser Schwebezustand hat aber elementare Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft. Eine Rechnungszinssenkung bedingt eine Neukalkulation der betroffenen Produkte, die wiederum in den IT-Systemen der Versicherer abgebildet werden muss. Eine Umsetzung in weniger als sechs Monaten ist bei vielen Gesellschaften unrealistisch.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Senkung des Höchstrechnungszinses wird – sofern es keine elementaren Veränderungen an den Finanzmärkten gibt – kommen, aber wahrscheinlich nicht direkt zum 1. Januar 2021, sondern später. Die Auswirkungen auf die aktuellen Produktwelten werden dann elementar sein, da mit einem Höchstrechnungszins von 0,5 Prozent der Zinsertrag zu gering ist, um eine 100-prozentige Bruttobeitragsgarantie zum Rentenbeginn zu geben. Damit wird es eine der wichtigsten Produktarten, die „Fondspolice mit 100 Prozent Bruttobeitragsgarantie“ bald nicht mehr geben. Realistisch sind dann nur noch Produkte mit maximal 80 Prozent Beitragsgarantie.

Sobald die Höchstrechnungszinssenkung konkret terminiert ist, wird es übrigens zu einem Schlussverkauf von Fondspolicen mit Bruttobeitragsgarantie kommen. Wir halten Sie dazu auf dem Laufenden.