So langsam entwickelt sich die Rezession vom Schreckgespenst zum wahrscheinlichen Wirtschaftsszenario. Ein wichtiger Stimmungsindikator ist der aussagekräftige ISM-Einkaufsmanagerindex, der aktuell auf einen Rückgang der Wirtschaftsaktivitäten hinweist. Gleichzeitig droht ein Preisdeckel für russisches Öl, der die Krise am Energiemarkt weiter verschärfen dürfte. Keine guten Vorzeichen – und bei Rezessionen hatten wir in der Vergangenheit im Schnitt Korrekturen an den Aktienmärkten von mehr als 30 Prozent, wovon wir bislang noch weit entfernt sind.

Hinzu kommt: Die anhaltend hohe Inflation erfordert nach wie vor ein hartes Durchgreifen der Notenbanken. Weil die Fed und vor allem die EZB die Gefahr der Geldentwertung zu lange heruntergespielt haben, müssen sie nun umso konsequenter handeln. Wobei vor allem mit Blick auf die EZB bezweifelt werden darf, ob die nun erwarteten Zinserhöhungen angesichts der drohenden Rezession tatsächlich kommen – so wenig Guidance wie derzeit war von den Zentralbanken lange nicht zu sehen.

Bekanntlich eröffnen Krisen aber immer auch Chancen. Deshalb zum Abschluss noch eine gute Nachricht: Auf ein Sentiment wie das des aktuellen Bärenmarkts folgten aus historischer Sicht häufig positive Renditen – kein schlechter Zeitpunkt also für antizyklische Investments.