Maklerhaftung

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Umfassende Bedarfsermittlungs- und Beratungspflicht des Maklers

Überprüft ein Versicherungsmakler eine Gewerbeinhaltsversicherung auf ausreichende Deckung und vermittelt er im Zuge dessen für einen gewerblich genutzten Radlader eine Haftpflichtversicherung, haftet er für einen Schaden, wenn der Radlader gestohlen wird. Denn der Makler hätte den Kunden zusätzlich auf eine Diebstahlversicherung hinweisen müssen, so das OLG Schleswig in einem Hinweisbeschluss vom 15.11.2018 (Az. 16 U 26/18).

Der Makler habe durch dieses Versäumnis gegen seine Beratungspflicht nach § 61 Abs. 1 VVG verstoßen. Auch wenn der Kunde lediglich den Wunsch nach einer Haftpflichtversicherung geäußert habe, hätte der Makler im Rahmen einer ausführlichen Bedarfsermittlung des zu versichernden Risikos und unabhängig vom spezifischen Kenntnisstand seines Kunden diesen anlassbezogen wegen des typischen und allgemeinen Diebstahlrisikos entsprechend beraten müssen. Der Kunde schalte einen Makler gerade deshalb ein, weil er sich auf eine eigene Risikobeurteilung nicht verlassen möchte.

Der Makler wäre nur dann von seinen Bedarfsermittlungs- und Beratungspflichten befreit gewesen, wenn spezifische berufsbedingte Kenntnisse des VN vorgelegen hätten. Ferner dann, wenn der VN ausdrücklich auf seinen eingeschränkten Beratungsbedarf hingewiesen hätte. Ein Mitverschulden treffe den Kunden nicht.

Aufgrund der fehlenden Dokumentation der Beratung auch über eine Diebstahlversicherung ist zugunsten des VN davon auszugehen, dass der betreffende Hinweis des Maklers nicht erteilt worden ist.

Haftung des Maklers bei fehlendem Hinweis der Eintrittspflicht eines Vorversicherers

Ein Versicherungsmakler, der dem Kunden gemäß Maklervertrag im Rahmen seiner Betreuung auch bei der Schadenabwicklung hilft, muss bei einer Schadenmeldung auch prüfen, ob gegebenenfalls ein Vorversicherer eintrittspflichtig ist. Das gilt auch für den Fall, sollte der Makler den besagten Vorversicherungsvertrag nicht selbst vermittelt haben. Zumindest muss er seinen Kunden darauf hinweisen, dass eine unverzüglichen Schadenanzeige auch dem Vorversicherer gegenüber erforderlich ist. Unterlässt der Makler dies und erleidet der Kunde einen Schaden, weil die Schadenanzeige verspätet beim Vorversicherer eingeht, haftet der Makler. Durch den fehlenden bzw. verspäteten Hinweis an den Kunden, auch den Vorversicherer einzuschalten, habe der Makler seine Betreuungs-
pflicht verletzt. So entschied das OLG Düsseldorf mit Urteil vom 13.7.2018
(Az. I-4 U 47/17).