„Home Bias“ kostet Milliarden an Rendite

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Bild: Maheshkumar Painam/Unsplash

Die Deutschen setzen bei ihren Investments am Kapitalmarkt überwiegend auf heimische Börsenwerte. Eine Untersuchung hat nun ergeben, dass ihnen mit diesem sogenannten „Home Bias“ in den vergangenen fünf Jahren fast 140 Milliarden Euro an Rendite entgangen sind.

Beim Essen sind die Deutschen international. Heute zum Italiener, morgen chinesisch und beim nächsten Mal wieder einmal griechisch. Auch im Urlaub zieht es die Deutschen gern in ferne Länder. Nur bei der Kapitalanlage gilt offenbar das Motto: Zu Hause ist es am schönsten. Dass das keine gute Idee ist, zeigt eine Studie der digitalen Vermögensverwaltung Whitebox.

Danach floss mit 52 Prozent der zwischen 2018 und 2022 getätigten Aktieninvestments mehr als die Hälfte in Beteiligungen an deutschen Börsenwerten. Durch diesen sogenannten „Home Bias“ verschenkten deutsche Anleger seit 2018 fast 140 Milliarden Euro an zusätzlicher Rendite, da die ausländischen Aktien in dieser Zeit eine fast acht Mal so hohe Rendite erwirtschaftet haben. So betrug deren Gesamtrendite pro Jahr seit 2018 durchschnittlich 11,8 Prozent. Deutsche Aktien dagegen brachten jährlich nur 1,8 Prozent Rendite im Durchschnitt ein.

Der Grund für diese unrentable Depotstruktur liegt im sogenannten Home Bias – also der Tendenz von Anlegern, den Großteil des Portfolios in den Heimatmarkt zu investieren. Die fehlende Streuung begünstigt das Klumpenrisiko und kostet damit Rendite. Doch Kapital zum Diversifizieren wäre genügend da.

Laut Studie beträgt der aktuelle Bestand an Bankeinlagen 36 Prozent der gesamten Anlagen, während Aktien nur auf zwölf und Fonds auf elf Prozent kommen. Dass das keine sonderlich gute Aufteilung ist, zeigen die Zahlen: Einlagen brachten seit 2018 nur insgesamt fünf Prozent Ertrag, Aktien hingegen fuhren 58 Prozent aller Finanzerträge seit 2018 ein.