
Trotz steigender Energiepreise und einer höheren Inflation in der Eurozone hat die Europäische Zentralbank (EZB) Ende April den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins bei 2,0 % belassen. Das Motto der EZB: Abwarten bis mehr Daten zu den Kriegsfolgen vorliegen. Doch die Zinswende läuft längst, wie die Finanzmärkte zeigen.
Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg zuletzt bis auf 3,13 % – der höchste Stand seit 2011. Auch die Umlaufrendite – also die durchschnittliche Rendite aller öffentlichen Anleihen – kletterte wieder über 3 %. Und an den Terminmärkten deuten die Euro-Futures derzeit auf zwei Leitzinserhöhungen der EZB noch in diesem Jahr hin. Hauptgrund sind die steigenden Teuerungsraten. Für die kommenden zwölf Monate rechnen Verbraucher im Euroraum laut einer Umfrage der EZB inzwischen mit einer Inflation von 4 %.
Anstieg der Bauzinsen löst Vorzieheffekte aus
Für potenzielle Hausbauer sind das schlechte Nachrichten, denn die Bauzinsen orientieren sich an den Renditen der Bundesanleihen. So liegt die Zinsen für zehnjährige Immobiliendarlehen im Schnitt mittlerweile wieder bei knapp 4 % – Anfang März betrugen sie noch gut 3,5 %.
Potenzielle Häuslebauer haben bereits reagiert und sich die noch etwas niedrigeren Zinsen gesichert: Mit 61,2 Milliarden Euro erreichten Baufinanzierungen im ersten Quartal nach Branchenangaben den höchsten Stand seit der Zinswende 2022. Allein im März vergaben Banken Kredite im Wert von 24,1 Milliarden Euro.
Klettern die Marktzinsen und damit auch die Konditionen für Immo-Kredite weiter, kann das für Immobilienkäufer schnell mehrere hundert Euro Mehrbelastung im Monat bedeuten. Wer also kurz vor der Finanzierung der eigenen vier Wände steht, sollte nicht mehr allzu lange warten.
Sparern droht Inflationsfalle
Auf den ersten Blick erfreulich ist die Entwicklung dagegen für Sparer. Mit Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Zinsen für Festgeld so stark gestiegen wie seit Herbst 2023 nicht mehr. So bringen zweijährige Festgelder im Durchschnitt derzeit 2,27 % Zinsen, bei fünf Jahren Laufzeit liegen die Durchschnittszinsen aktuell bei 2,36 % und bei zehn Jahren bei 2,68 %.
Nach wie vor sind Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld die mit Abstand beliebtesten Sparformen der Deutschen. Doch die so „angelegten“ schätzungsweise rund 3,6 Billionen Euro und sind dem inflationsbedingten Wertverlust schutzlos ausgeliefert.
Zwar dürften die Einlagenzinsen weiter gestiegen, doch auch die Teuerung wird angesichts der geopolitischen Konflikte in den kommenden Monaten weiter zulegen. Und dann wird sicherheitsorientiertes Sparen zur Inflationsfalle. Hier besteht also nach wie vor großer Beratungsbedarf, denn das eigentliche Risiko schlummert in Sparbuch & Co. und nicht an den Kapitalmärkten.













