ChatGPT – echte Konkurrenz für Vermittler?

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Bild: Tippapatt/iStock

OpenAI steigt in den Versicherungsvertrieb über ChatGPT ein. Diese Nachricht brachte Aktien von Versicherungen sowohl an Wall Street als auch in Europa unter Druck. So gab das Beratungsunternehmen Willis Towers Watson 13 % nach, der Versicherungsmakler Aon verlor 8,5 %, Allianz büßte zwischenzeitlich 3 % ein.

Während sich die Aktienmärkte mittlerweile beruhigten und die Verluste größtenteils wieder aufgeholt werden konnten, treibt den Versicherungsvertrieb die Frage um, ob KI bald die Branche übernimmt und Makler zum Auslaufmodell werden? Doch diese Angst scheint für viele Marktbeobachter unbegründet – zumindest, wenn es um beratungsintensive Absicherungs- oder Vorsorgeprodukte geht. Ähnliche Diskussionen gab es schon beim Aufkommen der großen Vergleichsplattformen wie Check24 oder Verivox. Doch auch das hat nicht zum Aussterben des Maklers und seiner kompetenten, persönlichen Beratung geführt.

Rechtliche und regulatorische Hürden

Ob ChatGPT vom Informations- zum Transaktionskanal für Versicherungen wird, ist für viele Experten fraglich. Denn anders als in den USA gibt es hierzulande hohe rechtliche und regulatorische Hürden, die die Implementierung solcher Angebots-Apps erschweren könnten. Und ob OpenAI die regulatorische Belastung oder die potenziellen Haftungsrisiken bei Fehlverkäufen übernehmen möchte, ist eher unwahrscheinlich.

Sobald ChatGPT Empfehlungen ausspricht, könne das als Beratung gelten, die in Deutschland nur registrierte Vermittler leisten dürfen, betont etwa GDV-Chef Jörg Asmussen. Aktienanalysten erwarten daher, dass OpenAI hierzulande eher mit Aggregatoren und Maklern zusammenarbeiten wird, um Versicherungen zu verkaufen und so deren Wachstum fördert, statt sie zu ersetzen.

Persönliche Beratung bleibt gefragt

Zumal sich im Neugeschäft wachsende Marktanteile des freien Vertriebs zeigen, insbesondere in beratungsintensiven Produkten wie Berufsunfähigkeit, fondsgebundener Altersvorsorge oder privater Krankenversicherung, wie aus dem aktuellen Sirius Campus Kundenmonitor Assekuranz hervorgeht. Diese klare Präferenz für persönliche Beratung steht nicht im Widerspruch zu einer hohen digitalen Kompetenz.

Laut dem Kundenmonitor nutzen Maklerkunden KI-Assistenten wie ChatGPT, Google Gemini oder Microsoft Copilot überdurchschnittlich häufig (61 %), zeigen jedoch nur ein geringes Interesse daran, diese Technologien direkt beim Versicherungskauf einzubinden. Digitale Services werden von den Kunden eher danach beurteilt, ob sie den persönlichen Austausch erleichtern.